Am Samstag attackierte ein Iraner in einer Flüchtlingsunterkunft in Aarau zwei Landsmänner



Nach Messerattacke – 30 Asylbewerber umplatziert

Am Samstag attackierte ein Iraner in einer Flüchtlingsunterkunft in Aarau zwei Landsmänner. Einer wurde getötet, einer schwer verletzt. Nun reagiert der Kanton.
Heftige Auseinandersetzung in einer unterirdischen Asylunterkunft in Aarau: Die Beamten fanden die zwei schwer verletzten Männer vor. (20. August 2016)

Heftige Auseinandersetzung in einer unterirdischen Asylunterkunft in Aarau: Die Beamten fanden die zwei schwer verletzten Männer vor. (20. August 2016))Wie die Kantonspolizei mitteilte, trafen die Einsatzkräfte kurz darauf einen Mann an, der ein blutverschmiertes Messer in der Hand hielt.Der mutmassliche Täter liess sich widerstandslos festnehmen.Ambulanzen versorgten die beiden Verletzten und brachten sie ins nahegelegene Kantonsspital Aarau.Wenig später starb einer der beiden dort. Das zweite Opfer wurde notoperiert. Er befand sich danach ausser ..

Am frühen Samstagmorgen kam es in der unterirdischen Asylbewerberunterkunft beim Kantonsspital in Aarau zur Bluttat: Ein 27-jähriger Iraner stach zwei Landsleute nieder, ein 43-jähriger Mann wurde getötet, ein 25-Jähriger liegt schwer verletzt im Spital.
Asylsuchende der Unterkunft sagen zu TeleM1, dass die Verhältnisse in der Unterkunft unzumutbar seien. Es stinke fürchterlich, es gebe kein Sonnenlicht und es fühle sich an wie im Gefängnis. Der Iraner habe mehrfach um seine Verlegung gebeten.
Zwei Betreuer für 200 Personen
Balz Bruder, Sprecher des Departements Gesundheit und Soziales, sagt: «Am Wochenende wurden rund 30 Bewohner aus der GOPS in oberirdische Unterkünfte umplatziert. Sie waren den beiden Schlafräumen zugeteilt, in welchen Täter und Opfer untergebracht waren.» Das Leben in Zivilschutzanlagen sei schwierig und nur als Übergangslösung vorgesehen. Man sei sich der Schwierigkeiten bewusst.
Gemäss einer Person aus dem Umfeld der Betreiberfirma ORS sind zu diesem Zeitpunkt zu wenig Betreuer vor Ort gewesen. Es seien lediglich zwei Personen da gewesen – bei über 200 Asylbewerbern. Balz Bruder, Sprecher des Departements Gesundheit und Soziales, sagt: «Seit Anfang August sind am Wochenende und in der Nacht aufgrund des gut laufenden Betriebs jeweils drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter pro Schicht im Einsatz.»
Motiv unklar
Bruder bestätigt aber: «An diesem Morgen trat ein Mitarbeiter aber seine Schicht erst um 9 Uhr statt um 6.30 Uhr an, weil er die Tage davor noch krank war.» Dieser Entscheid ist vor dem Hintergrund des ruhigen Betriebs zu betrachten. Offen bleibe, ob der tragische Vorfall mit mehr Personal oder einem Sicherheitsdienst hätte verhindert werden können.
Das Motiv des Iraners ist nach wie vor unklar und wird derzeit mit intensiven Befragungen abgeklärt, erklärt Kantonspolizei-Sprecher Bernhard Graser. Grundsätzlich sei man mit dem Betrieb der Asylunterkunft trotz der beengten Platzverhältnisse sehr zufrieden. «Wir können überhaupt nicht bestätigen, dass dort eine ‹explosive Stimmung› herrscht, wie nun erzählt wird.»


Früherkennung von Problempersonen
Nicht nur in Aarau, auch in Kaiseraugst kam es letzte Woche zu einem Streit, bei dem ein Messer eingesetzt wurde. Zwei Männer gerieten aneinander, bei dem einer der Kontrahenten Beinverletzungen davontrug. Und bei einem Streit in Baden-Dättwil war ebenfalls ein Messer im Spiel, bei dem ein 22-jähriger Somalier auf einen Landsmann einstach. Gegen ihn wird nun wegen versuchter vorsätzlicher Tötung ermittelt.
Sprecher Balz Bruder sagt, dass die Sicherheitssituation laufend überprüft und bei Bedarf angepasst werde: «Die Betreuungsfirma ORS und der Kanton werden ein noch stärkeres Augenmerk auf die Früherkennung von möglichen Problempersonen richten und im Rahmen des Möglichen ein Maximum an interner und externer Beschäftigung der Asylsuchenden organisieren.»

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Fuad Aghayev