Österreichischer Pfarrer schleust Flüchtlinge nach Bayern


urn-newsml-dpa-com-20090101-160208-99-555679-large-4-3

Es ist nur eine der vielen Geschichten, Anekdoten, Schicksale aus der Zeit der großen Flüchtlingswelle nach Deutschland: Tausende strömten im September 2015 über die Grenze nach Bayern. Viele Oberösterreicher halfen den erschöpften Vertriebenen, so auch der damalige Pfarrer von Kopfing (Bezirk Schärding), Karl Burgstaller. Das brachte ihm jedoch erhebliche Probleme mit Polizei und Justiz ein.

Über seinen Fall berichtet nun die „Passauer Neue Presse“. Auf der Donauuferstraße nach Engelhartszell kamen dem 71-Jährigen in der Nacht von 16. auf 17. September drei Männer und eine Frauaus Syrienentgegen. Erst fuhr er weiter, dann rührte sich das Gewissen. Burgstaller drehte um, nahm das Quartett im Auto bis zur Grenze mit. „Als da keine Kontrolle war, bin ich weitergefahren“, erzählt Burgstaller.

In Passau setzte er seine Mitfahrer auf der Marienbrücke ab – und wurde prompt von der Bundespolizei aufgehalten und festgenommen. Denn: Wer Flüchtlinge über die Grenze bringt, macht sich der Schleusung schuldig. „Das wusste ich damals nicht“, so der Geistliche nun.

Flüchtlinge baten um seine Freilassung

Trotz Fürsprache der Flüchtlinge, die um seine Freilassung baten, nahm die Bundespolizei Burgstaller in Gewahrsam. „Erst kamen wir in die Aufnahmestelle in die alteMercedes-Benz-Halle, dann auf die Polizeiwache Freyung.“ Dort wurde der Übernachtungsgast mit bayerischem Charme behandelt. „Die Beamten waren alle sehr nett zu mir, einer meinte schmunzelnd: ‚Herr Pfarrer, was haben Sie denn da für einen Sch… gemacht?‘“ Am nächsten Tag fuhr ihn der Polizeichef zurück nach Passau. „Er lachte und sagte, das habe er auch noch nicht erlebt, einen Schleuser zu chauffieren.“

In der Stadt irrte der 71-Jährige dann durch die Straßen, auf der Suche nach der Dienststelle, wo sein Autoschlüssel lag. Als er eine Geschäftsfrau nach dem Weg fragte, packte die ihn kurzerhand ins Auto und klapperte mit ihm die möglichen Anlaufstellen ab. „Dafür möchte ich mich noch persönlich bei der Dame bedanken.“

Einen Strafzettel bekam er auch noch

Nach zwei Stunden war der Geistliche dort zurück, wo alles angefangen hatte. „Aber weil ich mein Auto vor dem Theater hatte abstellen müssen, steckte hinter dem Scheibenwischer auch noch ein Strafzettel“, sagt der 71-Jährige und lacht. Das Bußgeld wurde ihm immerhin erlassen. Nicht jedoch seine Chauffeursfahrt. Das Amtsgericht Passau verurteilte ihn jetzt wegen Schleuserei zu zwei Jahren auf Bewährung.

Die Strafe akzeptiert Burgstaller. „Ich darf mir halt nichts mehr zuschulden kommen lassen“, meint er augenzwinkernd. In der Region hat die Geschichte längst die Runde gemacht. „Ein Pfarrer als Schleuser, das ist ja wie Kabarett.“ Trotz allem: Er bereut nichts. „Ich würde jederzeit wieder so handeln.“