«Bomben auf Wiedikon» – rechte Band angezeigt


topelementWegen Mordfantasien und Rassendiskriminierung: Der Schweizerische Israelitische 

Gemeindebund geht gegen eine Schweizer Band vor.

«Bomben auf Wiedikon» lautet der Titel des ersten Lieds. Darin hetzt eine rechtsradikale Rockgruppe namens Mordkommando gegen Zürcher Juden. «Synagogen sollen brennen / wie einst in besseren Tagen», brüllt der Sänger.

Der Text enthält explizite Todesdrohungen gegen Zürichs jüdische Gemeinde und ihre Vertreter. Aufnahmen des Albums «Schwarze Liste», das acht Songs umfasst, sind im Internet verfügbar; sie ­kursieren vor allem auf russischen Websites.

Anzeige gegen unbekannt

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) hat nun bei der Staatsanwaltschaft Zürich Strafanzeige wegen Rassendiskriminierung eingereicht. Die Anzeige geht gegen unbekannt, da nicht geklärt ist, wer die Mitglieder der Gruppe sind. Die Staatsanwaltschaft bestätigt dem «Tages-Anzeiger» den Eingang der Anzeige.

Ein zweites Lied namens «Herbert Winter» richtet sich gegen den amtierenden SIG-Präsidenten. Der Text ist eine Mordfantasie; er beschreibt im Detail, wie Winter und andere Gemeindebund-Angestellte getötet werden sollen.

Weitere Prominente im Visier



«Wir sind uns bewusst, dass die Neonazis die Medienpräsenz, die mit ihren Provokationen einhergeht, für ihre Zwecke nutzen wollen», sagt SIG-General­sekretär Jonathan Kreutner. «Unabhängig davon: Die Band hat sich mit ihrer Hetze und den Morddrohungen gegenüber Exponenten des SIG strafbar gemacht und muss dafür zur Rechenschaft gezogen werden.»

Die Mordkommando-Texte sind auf Hochdeutsch verfasst. Die Vermutung liegt aber nahe, dass ihr Verfasser aus der Schweiz stammt, da auch weitere Stücke auf Schweizer Prominente zielen. Unter anderem attackiert die Band die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP), deren Departement laut einem Sprecher ebenfalls eine Anzeige prüft. Betroffene sind ausserdem DJ Bobo, Bligg, Mike Shiva und Michael von der Heide.

Übernommen von «Tages-Anzeiger», bearbeitet von 20 Minuten (Mario Stäuble)