Deutsche verschätzen sich massiv: So viele Muslime leben wirklich in Deutschland


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Die Debatte um Muslime und ihre Integration ist mit der Flüchtlingskrise neu aufgeflammt. Allerdings zeigt eine aktuelle Studie, dass die meisten Deutschen die Zahl der Muslime in Deutschland massiv überschätzen.

Das ergibt sich, wenn man zwei aktuelle Studien vergleicht. Bei Studie Nummer 1, einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos, schätzten die Befragten, jeder Fünfte in Deutschland sei Muslim. Das wären 20 Prozent der Bevölkerung. Eine massive Fehleinschätzung, wie Studie Nummer 2 zeigt.

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Die Hochrechnung im Auftrag des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und der Deutschen Islamkonferenz kommt nämlich auf einen deutlich geringen Anteil von Muslimen an der Gesamtbevölkerung. Demnach lebten zum Stichtag am 31. Dezember 2015 zwischen 4,4 und 4,7 Millionen muslimische Männer und Frauen in Deutschland. Das entspricht 5,4 bis 5,7 Prozent der Gesamtbevölkerung. Also ist nicht jeder Fünfte in Deutschland Muslim, sondern nur etwa jeder Zwanzigste.

Mehr als jeder vierte Muslim ist neu in Deutschland

Die BAMF-Hochrechnung zeigt außerdem, wie die Flüchtlingskrise sich bislang auf die Zahl der Muslime in Deutschland auswirkt. Ein Ergebnis: Mehr als jeder vierte Muslim in Deutschland ist in den vergangenen Jahren neu zugewandert (27,4 Prozent). Zwischen Mai 2011 und Ende 2015 kamen demnach rund 1,2 Millionen Muslime nach Deutschland

Ein großer Teil von ihnen kam 2014 und 2015 im Zuge der Flüchtlingskrise: 2015 stieg die Zahl der Asylanträge laut BAMF von 173.072  auf 441.899. Bei einer Befragung 2015 gab mehr als jeder Dritte (73,1 Prozent) der Antragsteller an, er gehöre einer islamischen Glaubensrichtung an.

Das hat auch Auswirkungen auf die muslimische Community in Deutschland: Vor der Flüchtlingskrise war es so, dass Muslime mit türkischen Wurzeln und meist sunnitischen Glaubens die Mehrheit stellten. Das ändert sich vor allem durch die Flüchtlingskrise, in der Muslime aus anderen Herkunftsländern zuwandern. Muslime mit türkischer Herkunft machten Ende 2015 deswegen nur noch 51 Prozent der Muslime in Deutschland aus, so das BAMF. 2008 stellten sie noch 68 Prozent der Muslime in Deutschland. Die neue zweitgrößte Herkunftsgruppe stellen nun Muslime aus dem Nahen Osten mit 17 Prozent dar.

So kommt die Hochrechnung zustande

So kommen die Zahlen zustande: Für die BAMF-Hochrechnung wurde zuerst die Zahl der Muslime mit Migrationshintergrund ermittelt, die bis zum 9. Mai 2011 in Deutschland lebten. Basis dafür war der Zensus 2011 sowie die Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“ aus dem Jahr 2008. Für diese Studie waren rund 6000 Menschen aus muslimisch geprägten Herkunftsländern befragt worden.

In einem zweiten Schritt wurde die Zahl der Muslime ermittelt, die zwischen Mai 2011 und Dezember 2015 nach Deutschland kamen. Basis dafür waren laut BAMF Daten des Ausländerzentralregisters und der Asylgeschäftsstatistik. Die Gesamtzahl von 4,4 bis 4,7 Millionen Muslimen in Deutschland ergibt sich aus der Summe beider Berechnungen.